Francis Bacon (1561-1626)

Neues Organon. 2 Teilbände. Hg. u. m. einer Einleitung v. Wolfgang Krohn. Lat.-dt. Hamburg ²1999 (PhB; 400 a-b).

Neu-Atlantis. Hg. v. Jürgen Klein. Stuttgart 2003 (RUB; 6645).

Sekundärliteratur: Wolfgang Krohn: Francis Bacon. München ²2006 (BR; 509).

Präambel zur Vorrede von Bacons Hauptwerk, der Instauratio magna

„De statu scientiarum, quod non sit fœlix aut majorem in modum auctus; quodque alia omnino quam prioribus cognita fuerit via aperienda sit intellectui humano, et alia comparanda auxilia, ut mens suo jure in rerum naturam uti possit.“ / „Über den Stand der Wissenschaften, der weder glücklich ist noch zu einer Stärkung der Erkenntnis führt. Dem menschlichen Verstande muß ein ganz neuer, bisher nicht gekannter Weg eröffnet werden. Andere Hilfsmittel müssen beschafft werden, damit der Geist von seinem Recht auf die Natur der Dinge Gebrauch machen kann.“[1]

Ein Dokument von Bacons wissenschaftlicher Phantasie aus Neu-Atlantis[2]

Forschungsstätten

unterirdische Höhlen: Region der Tiefe

sehr hohe Türme: Region der Höhe

große Seen: Salzwasserherstellung / Süßwasserherstellung; Meereskunde

 

Experimentelle Wissenschaften

Meteorologie

medizinische Bäder

Versuchsgüter / Baumschulen

Obstkulturen / -zucht

Pharmazie

Anatomie (anatomische Sektion von Tieren)

Toxikologie

Humangenetik

Nahrungsmittelgewinnung

Homöopathie

Apotheken

 

Mechanische Künste

Energieerzeugung; Ausnutzung natürlicher Wärme

Optische Werkstätten

Teleskope

Mikroskope

Magnete

Akustische Werkstätten

Hilfsmittel für das Gehör

Tontechnik

Institut für Sinnesphysiologie

Phänomen des Geschmacks

Experimente als Naturnachahmung (imitationes naturae)

Mechanikerwerkstatt

Fliegen (Flugtechnik)

Untersee-Boote

Automatenherstellung

 

Haus der Mathematik

Herstellung geometrischer sowie astronomischer Instrumente

 

Haus der Blendwerke

Manipulationen von Sinnestäuschungen (Illusionstechnik)[3]

Thomas Hobbes (1588-1679)

Elemente der Philosophie. I. Abteilung: Der Körper. Hamburg 1997 (PhB; 501).

Elemente der Philosophie. II. Abteilung: Vom Menschen. III. Abteilung: Vom Bürger. Hamburg 1959 (PhB; 158).

Leviathan ed. R. Tuck. Cambridge University Press 1991.

Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines bürgerlichen und kirchlichen Staates. Hg. v. Iring Fetscher. Frankfurt a. M. u. a. 1976 (Ullstein-Buch; 3240).

Behemoth oder Das Lange Parlament. Hg. und mit einem Essay von Herfried Münkler. Frankfurt a. M. 1991 (Fischer-Taschenbuch; 10038).

Sekundärliteratur: Wolfgang Kersting: Thomas Hobbes. Hamburg 2005 (ZE).

Gegenstand der Philosophie

„Der Gegenstand oder die Materie der Philosophie, die sie behandelt, ist jeglicher Körper / Subjectum philosophiae, sive materia circa quam versatur, est corpus omne, dessen Erzeugung wir begrifflich erfassen und den wir mit Rücksicht hierauf mit andern Körpern vergleichen können; oder auch, bei dem Zusammensetzung und Auflösung statt hat; d. h. jeder Körper, von dessen Erzeugung und Eigenschaften wir Kenntnis haben.“[4]

Überblick über die verschiedenen Wissenschaften[5]

WISSENSCHAFT, d. h. Wissen von Folgen, auch PHILOSOPHIE genannt

A. Folgen aus den Akzidenzien na­türlicher Körper, genannt NATURPHILOSOPHIE

1.       PHYSIK oder Folgen aus Qualitäten

a.       Folgen aus den Qualitäten beständiger Körper

                                                               i.      Folgen aus den Qualitäten der Sterne

1.        Folgen aus dem Licht der Sterne ... SCIAGRAPHIE

2.        Folgen aus dem Einfluss der Sterne ... ASTROLOGIE

b.       Folgen aus den Qualitäten flüssiger Körper, die den Raum zwischen den Sternen ausfüllen, wie z. B. die Luft oder ätherische Substanz

c.        Folgen aus den Qualitäten irdischer Körper

                                                               i.      Folgen aus den Teilen der Erde ohne Empfindung

1.        Folgen aus den Qualitäten von Mineralen wie Steine, Metalle usw.

2.        Folgen aus den Qualitäten von Pflanzen

                                                              ii.      Folgen aus den Qualitäten von Tieren im allgemeinen

1.        Folgen aus dem Gesichtssinn ... OPTIK

2.        Folgen aus Tönen ... MUSIK

3.        Folgen aus den restlichen Sinnen

                                                            iii.      Folgen aus den Qualitäten der Menschen im besonderen

1.        Folgen aus den menschlichen Leidenschaften ... ETHIK

                                                            iv.      Folgen aus der Sprache

1.        durch Preisen, Schmähen usw. ... DICHTKUNST

2.        durch Überreden ... RHETORIK

3.        durch Denken ... LOGIK

4.        durch Vertrag ... die Wissenschaft von RECHT und UNRECHT

d.       Folgen aus den Qualitäten vergänglicher Körper, die bisweilen erscheinen, bisweilen verschwinden ... METEOROLOGIE

2.       Folgen aus den Akzidenzien, die allen natürlichen Körpern gemeinsam sind, nämlich Quantität und Bewegung

a.       Folgen aus unbestimmter Quantität und Bewegung, welche das Prinzip oder die erste Grundlage der Philosophie darstellen, genannt Philosophia prima ... PHILOSOPHIA PRIMA

b.       Folgen aus bestimmter Bewegung und Quantität

                                                               i.      Folgen aus bestimmter Quantität und Bewegung

1.        auf Grund von Figuren ...  Mathematik: GEOMETRIE

2.        auf Grund von Zahlen ... Mathematik: ARITHMETIK

                                                              ii.      Folgen aus der Bewegung und der Quantität der Körper im besonderen

1.        Folgen aus der Bewegung und Quantität der großen Teile der Welt wie der Erde und der Sterne ... Kosmographie: ASTRONOMIE / GEOGRAPHIE

2.        Folgen aus der Bewegung besonderer Arten und Figuren von Körpern

a.        Mechanik ... Wissenschaft vom MASCHINENBAU / ARCHITEKTUR / NAVIGATION

b.        Lehre vom Gewicht

 

B. Folgen aus den Akzidenzien Politischer Körper, genannt POLITIK und STAATSPHILOSOPHIE

       1.            Folgen aus der Einsetzung von STAATEN für die Rechte und Pflichten des Politischen Körpers oder des Souveräns

       2.            Folgen aus der Einsetzung von STAATEN für Pflicht und Recht der Untertanen

Methode

„Philosophie ist erworbene Erkenntnis der Wirkungen oder Erscheinungen aus deren begrifflich festgestellten Ursachen oder erzeugenden Gründen und wiederum der möglichen Gründe aus den begrifflich erkannten Wirkungen durch richtige Schlussfolgerung.“ / Philosophia est Effectuum sive Phaenome­nωn ex conceptis eorum Causis seu Generationibus, et rursus Generationum quae esse possunt, ex cognitis effectibus per rectam ratiocinationem acquisita cognitio.[6]

Ursachenforschung

„Die Methode des Philosophierens ist also die möglichst bündige Untersuchung von Wirkungen aufgrund der Kenntnis ihrer Ursachen oder von Ursachen aufgrund der Kenntnis ihrer Wirkungen. Wir sagen aber, daß wir von einer Wirkung Wissen haben, wenn wir sowohl die Gesamtzahl ihrer Ursachen erkennen als auch, in welchem Subjekt sie sich befinden, weiter, in welchem Subjekt sie die Wirkung hervorbringen, und schließlich, wie sie das tun. Wissenschaft bezieht sich also auf das tò díoti ádas Warumñ oder die Ursachen; jede andere Erkenntnis, die man als auf tò díoti ádas Daßñ bezüglich bezeichnet, ist Sinneswahrnehmung oder von Sinneswahrnehmung zurückbleibende Bildvorstellung bzw. Erinnerung.“ / Est ergo methodus philosophandi, effectuum per causas cognitas, vel causarum per cognitos effectus brevissima investigatio. Scire autem aliquem effectum tunc dicimur, cum et causas ejus, quod sunt; et in quo subjecto insunt, et in quod subjectum effectum introducunt, et quomodo id faciunt cognoscimus. Itaque, scientia tò díoti sive causarum est; alia cognitio omnis quae tò díoti dicitur, sensio est vel a sensione remanens imaginatio sive memoria.[7]

Die Empfindung

„So ist also die Empfindung / qualities called Sensible in allen Fällen nichts anderes als eine ursprüngliche Vorstellung / originall fancy, verursacht {...} durch den Druck, das heißt die Bewegung / motion von äußeren Dingen auf unsere Augen, Ohren oder andere dazu bestimmten Organe.“[8]

Sprache und Wissenschaft

„Sprache oder Rede ist eine Verbindung der von den Menschen willkürlich festgesetzten Worte, um eine Reihe von Vorstellungen von Dingen, an die wir denken, zu bezeichnen.“ / Sermo sive oratio est vocabulorum contextus arbitrio hominum constitutorum, ad significandam seriem conceptuum earum rerum quas cogitamus.[9]

Name

„Ein Name / nomen ist eine menschliche Äußerung, herangezogen durch menschliches Ermessen / arbitratu hominis, um bekannt zu machen, welcher Gedanke / welche cogitatio in der Seele aufgeregt werden könnte, der einem früheren Gedanken ähnlich ist, und der in die Rede gestellt und anderen vorgetragen ihnen zum Zeichen wird, wie ein Gedanke im Sprechenden selbst vorausgeht oder nicht vorausgeht.“[10]

Die herausragende Stellung der Neugier unter den Leidenschaften

„So unterscheidet sich der Mensch also nicht nur durch seine Vernunft, sondern auch durch diese einmalige Leidenschaft / not only by his Reason; but also by this singular Passion von anderen Tieren, bei denen die Vorherrschaft des Nahrungstriebs und anderer sinnlicher Begierden das Bemühen, Gründe kennen zu lernen, nicht aufkommen lassen. Es handelt sich dabei um eine geistige Lust / a Lust of the mind, die durch die andauernde Freude an der beständigen und unermüdlichen Erzeugung von Wissen das kurze Feuer jeder fleischlichen Lust / carnall Pleasure weit übertrifft.“[11]

Tugend

Tugend ist allgemein bei allen Gegenständen etwas, das wegen seiner hervorragenden Beschaffenheit geschätzt wird und besteht in einem Vergleich. Denn wenn alles in allen Menschen gleich wäre, so würde nichts gelobt werden.“ / Vertue generally, in all sorts of subjects, is somewhat that is valued for eminence; and consisteth in comparison. For if all things were equally in all men, nothing would be prized. [12]

Wert

„Die Geltung oder der Wert eines Menschen ist wie der aller anderen Dinge sein Preis. Das heißt, er richtet sich danach, wie viel man für die Benützung seiner Macht bezahlen würde und ist deshalb nicht absolut, sondern von dem Bedarf und der Einschätzung eines anderen abhängig.“[13]

Der universale Mechanismus des Leviathan

„Die Natur (das ist die Kunst, mit der Gott die Welt gemacht hat und lenkt) wird durch die Kunst des Menschen wie in vielen anderen Dingen so auch darin nachgeahmt, daß sie ein künstliches Tier herstellen kann / an Artificial Animal. Denn da das Leben nur eine Bewegung der Glieder ist, die innerhalb eines besonders wichtigen Teils beginnt — warum sollten wir dann nicht sagen, alle Automaten (Maschinen, die sich selbst durch Federn und Räder bewegen, wie eine Uhr) hätten ein künstliches Leben? Denn was ist das Herz, wenn nicht eine Feder, was sind die Nerven, wenn nicht viele Stränge, und was die Gelenke, wenn nicht viele Räder, die den ganzen Körper so in Bewegung setzen, wie es vom Künstler beabsichtigt wurde? Die Kunst geht noch weiter, indem sie auch jenes vernünftige, hervorragendste Werk der Natur nachahmt, den Menschen. Denn durch Kunst wird jener große Leviathan geschaffen, genannt Gemeinwesen oder Staat / a Common-wealth, or State, auf lateinisch civitas, der nichts anderes ist als ein künstlicher Mensch / an Artificiall Man, wenn auch von größerer Gestalt und Stärke als der natürliche, zu dessen Schutz und Verteidigung er ersonnen wurde. Die Souveränität stellt darin eine künstliche Seele dar, die dem ganzen Körper Leben und Bewegung gibt, die Beamten und anderen Bediensteten der Jurisdiktion und Exekutive künstliche Gelenke, Belohnung und Strafe, die mit dem Sitz der Souveränität verknüpft sind und durch die jedes Gelenk und Glied zur Verrichtung seines Dienstes veranlaßt wird, sind die Nerven, die in dem natürlichen Körper die gleiche Aufgabe erfüllen. Wohlstand und Reichtum aller einzelnen Glieder stellen die Stärke dar, salus populi (die Sicherheit des Volkes) seine Aufgabe; die Ratgeber, die ihm alle Dinge vortragen, die er unbedingt wissen muß, sind das Gedächtnis, Billigkeit und Gesetze künstliche Vernunft und künstlicher Wille; Eintracht ist Gesundheit, Aufruhr, Krankheit und Bürgerkrieg Tod. Endlich aber gleichen die Verträge und Übereinkommen, durch welche die Teile dieses politischen Körpers zuerst geschaffen, zusammengesetzt und vereint wurden, jenem ‚Fiat’ oder ‚Laßt uns Menschen machen’, das Gott bei der Schöpfung aussprach.“[14]

Naturrecht

Das natürliche Recht / Right of Nature, in der Literatur gewöhnlich jus naturale genannt, ist die Freiheit eines jeden, seine eigene Macht nach seinem Willen zur Erhaltung seiner eigenen Natur, das heißt seines eigenen Lebens, einzusetzen und folglich alles zu tun, was er nach eigenem Urteil und eigener Vernunft / in his own Judgement, and Reason als das zu diesem Zweck geeignetste Mittel ansieht.“[15]

Naturgesetz

„Ein Gesetz der Natur, lex naturalis / Law of Nature ist eine von der Vernunft ermittelte Vorschrift oder allgemeine Regel, nach der es einem Menschen verboten ist, das zu tun, was sein Leben vernichten oder ihn der Mittel zu seiner Erhaltung berauben kann, und das zu unterlassen, wodurch es seiner Meinung nach am besten erhalten werden kann.“[16]

Zweites Naturgesetz

„Jedermann soll freiwillig, wenn andere ebenfalls dazu bereit sind, auf sein Recht auf alles verzichten, soweit er dies um des Friedens und der Selbstverteidigung willen für notwendig hält, und er soll sich mit soviel Freiheit gegenüber anderen zufrieden geben, wie er anderen gegen sich selbst einräumen würde.“[17]

René Descartes (1596-1650)

Œuvres de Descartes. Publiées par Charles Adam & Paul Tannery. Nouvelle Édition. Tom. I-XI. Paris 1996.

Regulae ad directionem ingenii / Regeln zur Ausrichtung der Erkenntniskraft. Lat.-dt. Hamburg 1973 (PhB; 262 a).

Discours de la méthode / Von der Methode des richtigen Vernunftgebrauchs und der wissenschaftlichen Forschung. Franz.-dt. Hamburg ²1997 (PhB ; 261).

Meditationes de Prima Philosophia / Meditationen über die Erste Philosophie. Lat.-dt. Stuttgart 1986 (RUB; 2888).

Die Prinzipien der Philosophie. Hamburg 81992 (PhB; 28).

Die Leidenschaften der Seele / Les passions de l’ame. Franz.-dt. Hamburg ²1996 (PhB ; 345).

Über den Menschen (1632) sowie Beschreibung des menschlichen Körpers (1648). Hg. v. Karl E. Rothschuh. Heidelberg 1969.

Peter Prechtl: Descartes zur Einführung. Hamburg 2000 (ZE).

Dominik Perler: René Descartes. München ²2006 (BR; 542).

Ziel und Methode

„Zwar gefielen mir meine Spekulationen sehr, aber ich glaubte, daß auch andere solche hätten, die ihnen vielleicht noch besser gefielen. Sobald ich mir aber einige allgemeine Grundbegriffe in der Physik verschafft hatte, diese bei verschiedenen Einzelproblemen zu erproben begann und dabei bemerkte, wohin sie führen können und wieweit sie sich von den Prinzipien unterscheiden, deren man sich bis heute bedient hat, so glaubte ich sie nicht verbergen zu dürfen, ohne sehr gegen das Gesetz zu verstoßen, das uns verpflichtet, soviel an uns liegt, das allgemeine Beste aller Menschen zu befördern / procurerle bien général de tous les hommes. Denn sie haben mir gezeigt, daß es möglich ist, zu Kenntnissen zu kommen, die von großem Nutzen für das Leben sind, und statt jener spekulativen Philosophie, die in den Schulen gelehrt wird, eine praktische zu finden, die uns die Kraft und Wirkungsweise des Feuers, des Wassers, der Luft, der Sterne, der Himmelsmaterie und aller anderen Körper, die uns umgeben, ebenso genau kennen lehrt, wie wir die verschiedenen Techniken unserer Handwerker kennen, so daß wir sie auf ebendieselbe Weise zu allen Zwecken, für die sie geeignet sind, verwenden und uns so zu Herren und Eigentümern der Natur / maîtres et possesseurs de la nature machen könnten.“[18]

„Es muss das Ziel der wissenschaftlichen Studien sein, die Erkenntniskraft darauf auszurichten, dass sie über alles, was vorkommt, unerschütterliche und wahre Urteile herausbringt.“ / Studiorum finis esse debet ingenii directio ad solida et vera, de iis omnibus quae occurrunt, proferenda judicia.[19]

„Nur mit solchen Gegenständen darf man umgehen, zu deren zuverlässiger und unzweifelhafter Erkenntnis unsere Erkenntniskraft offenbar ausreicht.“ Circa illa tantum objecta oportet versari, ad quorum certam et indubitatam cognitionem nostra ingenia videntur sufficere.[20]

Vergleich mit Aristoteles

„Die Untersuchung wird ausreichend sein, wenn Klarheit über den vorliegenden Stoff besteht. Denn man darf nicht auf gleiche Weise in allen Untersuchungen akribisch vorgehen, wie man das ja auch im handwerklichen Bereich nicht tut.“[21]

Die Entdeckung des Ich

„{...}wenn es sich um die Lebensführung handelt / de regenda vita, wäre es wirklich albern, den Sinnen nicht zu glauben, und geradezu lächerlich haben sich jene Skeptiker gemacht, die alles Menschliche so vollkommen ignorierten, dass sie von ihren Freunden behütet werden mussten, wenn sie sich nicht in Abgründe stürzen sollten. Daher habe ich auch einmal bemerkt, kein Mensch mit gesundem Verstande zweifle an solchen Dingen.“[22]

„Zweifellos bin also auch Ich, wenn er mich täuscht; mag er mich nun täuschen, soviel er kann, so wird er doch nie bewirken können, daß ich nicht sei, solange ich denke, ich sei etwas / quamdiu me aliquid esse cogitabo. Nachdem ich so alles genug und übergenug erwogen habe, muß ich schließlich festhalten, daß der Satz ‚Ich bin, Ich existiere’ / Ego sum, ego existo, sooft ich ihn ausspreche oder im Geiste auffasse, notwendig wahr sei.“[23]

„Mit dem Namen ‚Bewußtsein’ befasse ich alles das, was so in uns ist, dass wir uns seiner unmittelbar bewusst werden / immediate conscii simus. In dem Sinne sind alle Operationen des Willens, des Verstandes, der Einbildung und der Sinne Bewußtseinsinhalte (cogitationes). Das Wort ‚unmittelbar’ habe ich aber hinzugefügt, um all das auszuschließen, was aus ihnen erst folgt.“[24]

„Also was bin ich nun? Ein denkendes Ding / Res cogitans. Was ist das? – Ein Ding, das zweifelt, einsieht, bejaht, verneint, will, nicht will, das auch bildlich vorstellt und empfindet.“[25]

„Klar nenne ich jene Vorstellung, die für den aufmerksamen Geist gegenwärtig und offen (unverschlossen) ist. So sagen wir, dass etwas von uns klar gesehen wird, das dem anblickenden Auge gegenwärtig ist und hinlänglich stark und offenkundig bewegt. Bestimmt nenne ich aber jene, die, indem sie klar ist, von allen anderen so abgesondert und unterschieden ist, dass sie nicht anderes, als das, was klar ist, in sich enthält.“ / Claram voco illam {perceptionem}, quae menti attendenti praesens & aperta est: sicut ea clare a nobis videri dicimus, quae, oculo intuenti praesentia, satis fortiter & aperte illum movent. Distinctam autem illam, quae, cum clara sit, ab omnibus aliis ita sejuncta est & praecisa, ut nihil plane aliud, quam quod clarum est, in se contineat.“[26]

Gott und das Ich

„Unter der objektiven Realität einer Idee verstehe ich den Seinsgehalt (entitas) der durch die Idee vorgestellten Sache, sofern dieser in der Idee repräsentiert ist, ebenso kann man reden von einer objektiven Vollkommenheit oder einem objektiven Kunstwerk usw. Denn alles, was wir in den Objekten der Ideen erfassen, das ist in den Ideen selbst ‚objektiv’ vorhanden.“ / Per realitatem objectivam ideae intelligo entitatem rei repraesentatae per ideam, quatenus est in ideâ; eodemque modo dici potest perfectio objectiva, vel artificium objectivum, &c. Nam quaecumque percipimus tanquam in idearum objectis, ea sunt in ipsis ideis objective.[27]

„Ohne Zweifel sind diejenigen {Vorstellungen}, welche mir Substanzen darstellen / quae substantias mihi exhibent, in gewisser Beziehung etwas Größeres; sie enthalten sozusagen mehr objektive á= vorgestellteñ Realität in sich / plus realitatis objectivae in se continent als jene, welche nur Zustandsweisen, d. h. Akzidenzien darstellen / quae tantùm modos, sive accidentia, repraesentant; und wenn ich mir einen höchsten Gott geistig vorstelle, der ewig, unendlich, allweise, allmächtig und der Schöpfer aller Dinge außer ihm ist, so hat wiederum diese Vorstellung mehr objektive Realität in sich als die Vorstellungen endlicher Substanzen.“[28]

„Unter Substanz können wir nur ein Ding verstehen, das so existiert, daß es zu seiner Existenz keines anderen Dinges bedarf {...}“ / Per substantiam nihil aliud intelligere possumus, quàm rem quae ita existit, ut nullâ aliâ re indigeat ad existendum {...}[29]

„Als Gott bezeichne ich eine unendliche, unabhängige, allweise, allmächtige Substanz, von der Ich selbst und alles, was etwas noch außer mir existiert, geschaffen worden ist. Ihre Vorzüge sind so groß, daß ich sie um so weniger als aus mir selbst hervorgegangen denken kann, je sorgfältiger ich sie ins Auge fasse. So ergibt sich aus dem oben Gesagten, daß Gott notwendig existiere / Deum necessariò existere.“[30]

„Die ganze Kraft dieses Beweises liegt also in der Einsicht, daß ich nur dadurch so existiere, wie ich bin, nämlich mit der Vorstellung Gottes in mir, daß Gott auch wirklich existiert – derselbe Gott, den ich mir innerlich vorstelle, der also alle jene Vollkommenheiten besitzt, die Ich mit meinem Bewußtsein nicht zu erfassen, sondern nur irgendwie zu berühren vermag; dem gar kein Mangel anhaftet.“[31]

„Daraus aber, daß ich mir Gott nicht anders als existierend denken kann, folgt eben, daß die Existenz von Gott untrennbar ist, daß also Gott wahrlich existiert.“[32]

„Erstens kann von mir nichts anderes erdacht werden, zu dessen Wesen die Existenz gehört, als Gott allein. Zweitens kann ich mir nicht zwei oder mehr Götter dieser Art denken; setze ich aber einen als existierend, so sehe ich klar, daß dieser notwendigerweise von Ewigkeit her da war und in Ewigkeit fortbestehen wird. Endlich fasse ich noch vieles andere an Gott auf, wovon ich nichts wegdenken oder anders denken kann.“[33]

Schellings Kritik: „Das vollkommenste Wesen kann nicht zufällig, mithin nur nothwendig existiren (Obersatz); Gott ist das vollkommenste Wesen (Untersatz), also (sollte er schließen) kann er nur nothwendig existiren, denn dieß allein liegt in den Prämissen; statt dessen schließt er aber: also existirt er nothwendig, und bringt dann auf diese Art scheinbar allerdings heraus, dass Gott existirt, und scheint die Existenz Gottes bewiesen zu haben. Aber es ist etwas ganz anderes, ob ich sage: Gott kann nur nothwendig existiren, oder ob ich sage: er existirt nothwendig. Aus dem Ersten (er kann nur nothwendig existiren) folgt nur: also existirt er nothwendig NB. wenn er existirt, aber es folgt keineswegs, dass er existirt. Darin liegt also der Fehler des Cartesianischen Schlusses.“[34]

Wahrheit und Irrtum

„Woraus also entstehen meine Irrtümer? Offenbar nur daraus, daß der Wille sich weiter erstreckt als mein Verstand und daß ich ihn nicht auf dessen Reichweite einschränke, sondern auch auf das Nichterkennen ausdehne. Da er sich gegen dieses indifferent verhält, weicht er leicht vom Wahren und Guten ab, und so irre ich, so sündige ich auch / atque ita & fallor & pecco.“[35]

Seele und Körper

„Und es ist dies ein ausgedehntes Ding, das wir Körper oder Materie nennen.“ Estque haec res extensa, quam corpus sive materiam appellamus.[36]

Blaise Pascal (1623-1662)

Blaise Pascal: Œuvres complètes ed. Mesnard. 7 Bände. Brügge 1970 ff.

Pensées. Ed. Philippe Sellier. Paris 2000.

Gedanken über die Religion und einige andere Themen. Stuttgart 1997 (RUB; 1622).

Jean-Pierre Schobinger: Blaise Pascals Reflexionen über die Geometrie im allgemeinen: „De l’esprit de géométrique“ und „De l’art de persuader“. Mit deutscher Übersetzung und Kommentar. Basel, Stuttgart 1974.

Blaise Pascal: Kleine Schriften zur Religion und Philosophie. Mit einer Einleitung und Anmerkungen hg. v. Albert Raffelt. Hamburg 2005 (PhB; 575).

*

Wilhelm Schmidt-Biggemann: Blaise Pascal. München 1999 (BR).

Eduard Zwierlein: Pascal. Hamburg 1996 (ZE).

Pascal und Descartes

„Denn man darf sich nicht verkennen / se méconnaître, wir sind ebenso sehr automatisch handelnder Körper wie Geist.“[37]

„Sie {die Gewohnheit} lenkt den Leib in eine Richtung, und er {der Leib} zieht den Geist mit sich fort, ohne daß dieser darüber nachdenkt. Wer hat bewiesen, daß morgen Tag sein wird und daß wir sterben werden, und was glaubt man fester als dies?“[38]

„Die ganze Würde des Menschen besteht im Denken, doch was ist dieses Denken? Wie töricht ist es? Das Denken ist also in seinem Wesen etwas Bewundernswertes und Unvergleichliches. Es müßte schon sonderbare Fehler haben, um verächtlich zu sein, doch es hat ja derartige Fehler, daß es nichts Lächerlicheres gibt. Wie ist es durch sein Wesen erhaben, wie ist es durch seine Fehler niedrig!“[39]

Der Geist der Geometrie

„Diese Ordnung, die vollkommenste unter den Menschen, besteht nicht darin, alles zu definieren oder alles zu beweisen, noch auch darin, nichts zu definieren oder nichts zu beweisen, sondern darin, sich in dieser Mitte / milieu zu halten, die klaren und von allen Menschen bekannten Dinge nicht zu definieren und alle anderen zu definieren / de ne point définir les choses claires et entendues de tous les hommes, et de définir toutes les autres; und alle, den Menschen bekannten Dinge nicht zu beweisen und alle anderen zu beweisen / et de ne point prouver toutes les choses connues des hommes, et de prouver toutes les autres.“[40]

Pascal spricht von einer „noch hervorragenderen und vollendeteren Methode“, „wohin aber die Menschen nie zu gelangen vermöchten: denn was die Geometrie übersteigt, übertrifft uns; und trotzdem ist es notwendig, etwas davon zu sagen, obgleich es unmöglich ist, es auszuüben.“[41]

„Man kann es nicht unternehmen, das Sein zu definieren, ohne in diese Absurdität zu fallen. Denn man kann ein Wort nicht definieren, ohne mit diesem das ist zu beginnen, mag man es aussprechen oder stillschweigend ergänzen. Um also das Sein zu definieren, müsste man sagen das ist und so das definierte Wort in seiner Definition verwenden.“[42]

„So ist alles, was die Geometrie vorlegt, entweder durch die natürliche Einsicht / par la lumière naturelle oder durch die Beweise / par les preuves vollkommen bewiesen.“[43] Doch gibt es „Eigenschaften, die allen Dingen gemeinsam sind, deren Erkenntnis den Geist für die grössten Wunder der Natur öffnet. Das hauptsächlichste sind die beiden Unendlichkeiten / les deux infinités, die sich in allen finden: die eine der Grösse und die andere der Kleinheit / l’une de grandeur et l’autre de petitesse.“[44]

Die Kunst zu überzeugen

„Die Kunst zu überzeugen / l’art de persuader steht in einer notwendigen Beziehung zur Weise, wie die Menschen dem, was man ihnen vorlegt, zustimmen, und zur Beschaffenheit der Dinge, die man glaubhaft machen will.“[45] „Diese Kunst, {...} die eigentlich nichts anderes ist als die Führung von methodischen, vollkommenen Beweisen, besteht in drei wesentlichen Teilen: die Ausdrücke, deren man sich bedienen muss, durch klare Definitionen zu definieren; zum Beweis der Sache, um die es sich handelt, Prinzipien oder evidente Axiome vorzulegen; und während des Beweises immer im Geist die Definitionen an die Stelle der Definierten zu setzen.“[46]

Regeln für die Definitionen: „1. Keines der Dinge zu definieren versuchen, die von sich selbst her so bekannt sind, dass man keine noch klareren Ausdrücke hat, um sie zu erklären. 2. Keinen der etwas dunklen oder mehrdeutigen Ausdrücke ohne Definition zulassen. 3. In der Definition der Ausdrücke nur vollkommen bekannte oder schon erklärte Wörter verwenden.“[47]

Regeln für die Axiome: „1. Keines der notwendigen Prinzipien zulassen, ohne gefragt zu haben, ob man es anerkennt, wie klar und evident es auch sein möge. 2. Zu Axiomen nur von sich selbst her vollkommen evidente Dinge fordern.“[48]

Regeln für die Beweise: „1. Keines der Dinge zu beweisen versuchen, die von sich selbst her so evident sind, dass man nichts Klareres mehr hat, um sie zu beweisen. 2. Alle etwas dunklen Behauptungen beweisen und zu ihrem Beweis nur sehr evidente Axiome oder schon anerkannte oder bewiesene Behauptungen verwenden. 3. Immer im Geist die Definitionen an die Stelle der Definierten setzen, um sich nicht durch die Mehrdeutigkeit der Ausdrücke täuschen zu lassen, welche die Definitionen eingeschränkt haben.“[49]

Die Ordnung des Herzens

„Das Herz hat seine Ordnung, der Geist hat seine, die aus Grundsätzen und Beweisen besteht. / Le cœur a son ordre, l’esprit a le sien, qui est par principe et démonstration. Das Herz hat eine andere. Man beweist nicht, daß man geliebt werden muß, indem man die Ursachen der Liebe geordnet darlegt; das wäre lächerlich.“[50]

„Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt; man weiß das bei tausend Dingen.“ / Le cœur a ses raisons, que la raison ne connaît pas; on le sait en mille choses.[51]

„Und gerade auf diese Art erkennen wir die ersten Anfangsgründe, und vergeblich versucht die Beweisführung des Verstandes / le raisonnement, die daran keinen Teil hat, sie zu bekämpfen. Diese Unfähigkeit beweist nichts anderes als die Schwäche unseres Verstandes / la faiblesse de notre raison, nicht aber die Ungewissheit aller unserer Kenntnisse.“[52]

Die Wette

„{...} Ich schaue in alle Richtungen, und ich sehe überall nur Dunkelheit. Die Natur bietet mir nichts, was nicht Anlass zu Zweifel und Unruhe wäre. Sähe ich in ihr nichts, was auf eine Gottheit hindeutete, so würde ich mich gegen sie entscheiden; sähe ich überall die Zeichen eines Schöpfergottes, so würde ich ruhig im Glauben verharren. Da ich aber zuviel sehe, um zu verleugnen, und zuwenig, um Gewissheit zu haben, bin ich in einem beklagenswerten Zustand, in dem ich hundertmal gewünscht habe, dass, wenn ein Gott die Natur erhält, sie unzweideutig auf ihn hinweise, und dass, wenn die Zeichen, die sie von ihm gibt, trügerisch sind, sie diese vollständig austilgte, dass sie alles oder nichts sagte, damit ich sehen könnte, welcher Seite ich mich anschließen muss. In dem Zustand, in dem ich mich befinde und wo ich nicht weiß, was ich bin und was ich tun soll, erkenne ich stattdessen weder meine Lage noch meine Pflicht. Mein Herz strebt ausschließlich nach der Erkenntnis, wo sich das wahre Glück befindet, damit es sich ihm widmen kann; für die Ewigkeit wäre mir nichts zu mühselig.“[53] (429)

Zwei Dinge können verloren gehen, zwei Dinge sind einzusetzen, zwei Dinge müssen vermieden werden. Verloren gehen können das Wahre und das höchste Gut, einzusetzen sind die Vernunfterkenntnis und der Wille zur eigenen Glückseligkeit, zu vermeiden sind Irrtum und ewige Verdammnis.

Baruch (Benedictus) de Spinoza (1632-1677

Baruch de Spinoza: Opera / Werke. Lat./dt. Erster Band: Tractatus theologico-poli­ticus / Theologisch-politischer Traktat. – Zweiter Band: Tractatus de intellectus emendatione / Abhandlung über die Berichtigung des Verstandes. Ethica / Ethik. Darmstadt 2008 (Sonderausgabe der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft = Darmstadt ²1989).

Spinoza: Die Ethik. Lat. u. dt. Stuttgart 1977 (RUB; 851).

Wolfgang Bartuschat: Baruch de Spinoza. München 1996 (BR; 537).

Wolfgang Röd: Benedictus de Spinoza. Stuttgart 2002 (RUB; 18193).

Staat und Gesellschaft

„Da aber alles nur nach dem göttlichen Ratschluß allein mit Notwendigkeit wahr ist, folgt daraus mit völliger Klarheit, daß die allgemeinen Naturgesetze nur Gottes Ratschlüsse sind, die aus der Notwendigkeit und Vollkommenheit der göttlichen Natur folgen / leges naturae universales mera esse decreta Dei, quæ ex necessitate et perfectione naturæ divinæ sequuntur[54].

„Wenn uns á...ñ irgend etwas in der Natur als lächerlich, widersinnig oder schlecht erscheint, so kommt das nur daher, weil unsere Erkenntnis von den Dingen Stückwerk ist, weil uns die Ordnung und der Zusammenhang der ganzen Natur zum größten Teil unbekannt bleiben und weil wir alles nach der Gewohnheit unserer Vernunft geleitet sehen wollen.“[55]

„Das Recht einer derartigen Gesellschaft ádem Extremfall eines Gesellschaftsvertragesñ heißt Demokratie / democratia; sie ist demnach zu definieren als eine allgemeine Vereinigung von Menschen, die in ihrer Gesamtheit das höchste Recht zu allem hat, was sie vermag / summum jus ad omnia, quæ potest, habet.“[56]

„Denn nie wird einer seine Macht und folglich auch sein Recht so auf einen anderen übertragen können, dass er aufhörte, Mensch zu sein, und niemals wird es eine höchste Gewalt geben, die alles so ausführen könnte, wie sie will.“[57]

„Aus den oben dargelegten Grundlagen des Staates folgt ganz offenbar, dass der letzte Zweck des Staates nicht ist zu herrschen noch die Menschen in Furcht zu halten oder sie fremder Gewalt zu unterwerfen, sondern vielmehr den einzelnen von der Furcht zu befreien / unumquemque metu liberare, damit er so sicher als möglich leben und sein natürliches Recht zu sein und zu wirken ohne Schaden für sich und andere vollkommen behaupten kann. Es ist nicht der Zweck des Staates, die Menschen aus vernünftigen Wesen zu Tieren oder Automaten zu machen, sondern vielmehr zu bewirken, dass ihr Geist und ihr Körper ungefährdet seine Kräfte entfalten kann, dass sie selbst frei ihre Vernunft gebrauchen / mens et corpus tuto suis functionibus fungantur et ipsi libera ratione utantur, und dass sie nicht mit Zorn, Hass und Hinterlist sich bekämpfen noch feindselig gegeneinander gesinnt sind. Der Zweck des Staates ist in Wahrheit die Freiheit. / Finis ergo reipublicæ revera libertas est.[58]

Die Ethik

Max Scheler beschreibt in einem Vortrag zu Spinozas 250. Todestag das Charakteristische dieser Ethik: „Ethik – das heißt hier nicht Lehre von den Normen des menschlichen Handelns, Lebens und Wollens, sondern ‚Läuterungstechnik des Geistes und Herzens zur Erkenntnis Gottes’. Ein Buch zum Heile des Menschen, nicht bloße metaphysische Begriffstheorie ist Spinozas Ethik in der Intention ihres Urhebers. Es ist eine fundamentale Voraussetzung auch nur des möglichen Verständnisses des in seinen beiden ersten Teilen überaus schwierigen Werkes, dass man klar die Rolle erkenne, die alles im engeren Sinne ‚moralische’ Verhalten für Spinoza besitzt: Es hat als solches keinerlei Selbstwert für ihn, ist keinerlei Endziel des Menschen, sondern es ist ausschließlich dispositionsschaffend für ein rein theoretisch-kontemplatives Ziel, eben die Erkenntnis Gottes.“[59]

„Unter Gott verstehe ich das absolut unendliche Seiende, d. h. die Substanz, die aus unendlichen Attributen besteht, von denen ein jedes ewiges und unendliches Wesen ausdrückt.“[60]

„Unter Substanz verstehe ich das, was in sich ist und durch sich begriffen wird; d. h. das, dessen Begriff nicht den Begriff eines anderen Dinges nötig hat, um daraus gebildet zu werden.“ / Per substantiam intelligo id, quod in se est, & per se concipitur: hoc est id, cujus conceptus non indiget conceptu alterius rei, a quo formari debeat.[61]

„Unter Attribut verstehe ich das an der Substanz, was der Verstand als zu ihrem Wesen gehörig erkennt.“ / Per attributum intelligo id, quod intellectus de substantia percipit, tanquam ejusdem essentiam constituens.[62]

„Unter Modus verstehe ich die Affektionen der Substanz oder das, was in einem anderen ist, durch das es auch begriffen wird.“ Per modum intelligo substantiae affectiones, sive id quod in alio est, per quod etiam concipitur.[63]

„Unter Ursache seiner selbst verstehe ich das, dessen Wesen die Existenz einschließt, oder das, dessen Natur nur als existierend begriffen werden kann.“ / Per causam sui intelligo id, cuius essentia involvit existentiam, sive id, cuius natura non potest concipi nisi existens.[64]

Endlich in seiner Art heißt ein Ding, das durch ein anderes von gleicher Natur begrenzt werden kann. Ein Körper z. B. heißt endlich, weil wir stets einen anderen größeren begreifen. Ebenso wird das Denken durch ein anderes Denken begrenzt. Dagegen wird ein Körper nicht durch das Denken noch das Denken durch einen Körper begrenzt.“ / Ea res dicitur in suo genere finita, quae alia ejusdem naturae terminari potest. Ex.{empla} gr.{atia} corpus dicitur finitum, quia aliud semper majus concipimus. Sic cogitatio alia cogitatione terminatur. At corpus non terminatur cogitatione, nec cogitatio corpore.[65]

á...ñ unter Verstand / per intellectum verstehe ich (was selbstverständlich ist) nicht das absolute Denken / absolutam cogitationem, sondern nur einen gewissen Modus des Denkens / certum tantum modum cogitandi, der sich von anderen Modi wie Begierde, Liebe usw. unterscheidet / ab aliis, scilicet cupiditate, amore, &c. differt und daher durch das absolute Denken begriffen werden muss.“[66]

„In der Natur der Dinge gibt es nichts Zufälliges, sondern alles ist aus der Notwendigkeit der göttlichen Natur bestimmt, auf gewisse Weise zu existieren und zu wirken. {…} Also ist alles auf Grund der Notwendigkeit der göttlichen Natur bestimmt, nicht nur zu existieren, sondern auch auf gewisse Weise zu existieren und zu wirken; und es gibt nichts Zufälliges.“[67]

„Denn niemand hat bis jetzt den Bau des Körpers so genau kennen gelernt, dass er alle seine Funktionen erklären könnte, ganz abgesehen davon, dass man bei Tieren vieles beobachtet, was die menschliche Sinnesschärfe weit überragt, und dass Nachtwandler im Schlafe vieles tun, was sie im wachen Zustand nicht wagen würden. Das zeigt doch zur Genüge, dass der Körper an sich nach den bloßen Gesetzen seiner Natur vieles vermag, worüber sich sein eigener Geist wundert.“[68]

„Ein Affekt, auch Leidenschaft des Gemütes genannt / Affectus, qui animi Pathema dicitur, ist eine verworrene Idee / confusa idea, durch die der Geist eine größere oder geringere Existenzkraft seines Körpers oder eines Teils seines Körpers bejaht als vorher und durch deren Vorhandensein der Geist selbst bestimmt wird, eher dies als jenes zu denken.“[69]

„Denn jeder lenkt alles gemäß seinem Affekt.“ / Nam unusquisque ex suo affectu omnia moderatur. „Wer also glaubt, dass er nach freiem Beschluss des Geistes rede oder schweige oder irgendetwas tue, der träumt mit offenen Augen.“[70]

„Wenn wir z. B. die Sonne betrachten, stellen wir uns vor, sie sei ungefähr zweihundert Fuß von uns entfernt, und hierin täuschen wir uns so lange, als wir ihren wahren Abstand nicht kennen. Durch die Erkenntnis ihres Abstands wird nun zwar der Irrtum behoben, nicht aber die Vorstellung, d. h. die Idee der Sonne, die deren Natur nur insofern ausdrückt, als der Körper von ihr affiziert wird. Daher werden wir, auch wenn wir ihren wahren Abstand kennen, dennoch die Vorstellung haben, dass sie uns nahe ist.“[71]

„Wer sich und seine Affekte klar und deutlich erkennt, liebt Gott, und umso mehr, je mehr er sich und seine Affekte erkennt.“[72]

„Wenn gerade der Weg, von dem ich gezeigt habe, dass er dorthin führt, überaus schwierig zu sein scheint, so kann er dennoch gefunden werden. Und freilich muss höchst beschwerlich sein, was so selten entdeckt wird. Wie denn wäre es möglich, wenn das Heil gleich zur Hand wäre und ohne große Mühe erlangt werden könnte, dass es von beinah allen hintangesetzt würde? Aber freilich ist alles Herrliche ebenso schwierig wie selten.“ / Sed omnia praeclara tam difficilia, quam rara sunt.[73]

John Locke (1632-1704)

An essay concerning human understanding. Amherst, New York 1995.

Versuch über den menschlichen Verstand. Band I: Buch I und II. Hamburg 2006 (PhB; 75). – Band II: Buch III und IV. Hamburg 1988 (PhB; 76).

Über die Regierung (The Second Treatise of Government). Stuttgart 1974 (RUB; 9691).

Walter Euchner: John Locke zur Einführung. Hamburg 1996 (ZE).

Rainer Specht: John Locke. München ²2007 (BR; 518).

Erkenntnistheorie

Es ist das erklärte Ziel von Lockes Essay, „Ursprung, Gewissheit und Umfang der menschlichen Erkenntnis zu untersuchen nebst den Grundlagen und Abstufungen von Glauben, Meinung und Zustimmung“ / to inquire into the original, certainty, and extent of human knowledge, together with the grounds and degrees of belief, opinion, and assent[74].

„I. Werde ich den Ursprung jener Ideen, Begriffe / ideas, notions {...} untersuchen, die der Mensch in seinem Geist / mind wahrnimmt und die ihm als dort vorhanden bewußt sind, sowie die Wege, auf denen der Verstand dazu gelangt, mit ihnen ausgerüstet zu sein.

II. Werde ich mich bemühen zu zeigen, was für eine Erkenntnis der Verstand / understanding durch diese Ideen gewinnt, sowie Gewißheit, Augenscheinlichkeit und Umfang / certainty, evidence, and extent dieser Erkenntnis darzulegen.

III. Werde ich Natur und Grundlagen von Glauben und Meinung / faith or opinion ein wenig untersuchen, worunter ich jene Zustimmung / assent verstehe, die wir einem Satz als wahr erteilen, von dessen Wahrheit wir noch keine sichere Kenntnis haben. Hierbei wird sich uns Gelegenheit bieten, die Gründe und Abstufungen der Zustimmung zu prüfen.“[75]

„Zunächst lassen die Sinne partikulare Ideen ein / particular ideas und richten das noch leere Kabinett ein. Wenn dann der Geist / mind allmählich mit einigen davon vertraut wird, werden sie im Gedächtnis / memory untergebracht und mit Namen versehen. Später, nachdem der Geist weiter fortgeschritten ist, abstrahiert er sie und erlernt allmählich den Gebrauch allgemeiner Namen. Auf diese Weise wird der Geist mit Ideen und mit einer Sprache ausgestattet, die das Material bilden / the materials, woran er seine diskursive Fähigkeit üben kann; und der Vernunftgebrauch / the use of reason wird täglich sichtbarer, je mehr das Material anwächst, das ihm Beschäftigung gibt.“[76]

„Ob es überhaupt moralische Prinzipien gibt / practical principles, mit denen alle Menschen einverstanden sind, das möge jeder entscheiden, der nur einigermaßen in der Geschichte der Menschheit bewandert ist und sich über den Rauch seines eigenen Herdes hinaus umgesehen hat.“[77]

„Der Verstand / the understanding scheint mir nicht den leisesten Schimmer von irgendwelchen Ideen zu haben, die er nicht aus einer dieser beiden Quellen empfängt. Die äußeren Objekte / external objects versehen den Geist / mind mit den Ideen der sinnlich wahrnehmbaren Qualitäten / sensible qualities; diese Ideen sind all die verschiedenen Wahrnehmungen, die die äußeren Objekte in uns erzeugen; der Geist versieht den Verstand mit Ideen seiner eigenen Operationen.“[78]

„Die Erkenntnis / knowledge scheint mir nichts anderes zu sein als die Wahrnehmung des Zusammenhangs und der Übereinstimmung oder Nichtübereinstimmung und des Widerstreits zwischen irgendwelchen von unseren Ideen. Allein darin besteht die Erkenntnis. Wo sie fehlt, bringen wir es nie zur Erkenntnis, wenn wir uns auch etwas einbilden, vermuten oder glauben.“[79]

Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716)

Philosophische Werke in vier Bänden in der Zusammenstellung von Ernst Cassirer. Band 1-2. Hauptschriften zur Grundlegung der Philosophie, Teil I und II. Band 3. Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand.  Band 4. Versuche in der Theodicée über die Güte Gottes, die Freiheit des Menschen und den Ursprung des Übels. Hamburg 1996 (PhB; 496- 499).

Discours de Métaphysique / Metaphysische Abhandlung. Franz.-dt. Hamburg 1958 (PhB; 260).

Principes de la Nature et de la Grace fondés en Raison. Monadologie / Vernunftprinzipien der Natur und der Gnade. Monadologie. Franz.-dt. Hamburg 1960 (PhB; 253).

Philosophischer Briefwechsel. Band 1: Der Briefwechsel mit Antoine Arnauld. Franz.-dt. Hamburg 1997.

Der Briefwechsel mit den Jesuiten in China. Frz.-lat.-dt. Hamburg 2006 (PhB; 548).

Michael-Thomas Liske: Gottfried Wilhelm Leibniz. München 2000 (BR; 555).

Hans Poser: Leibniz. Hamburg 2005 (ZE).

Substanz und Wahrheit

„Ich habe von jeher versucht, die Wahrheit, die unter den Ansichten der verschiedenen philosophischen Sekten begraben und verstreut liegt, aufzudecken und mit sich selbst zu vereinigen, und ich glaube, von meiner Seite dazu mitgewirkt zu haben, dass wir hierin einige Schritte vorwärts gekommen sind. Der äußere Gang meiner Studien ist mir hierbei seit meiner frühesten Jugend zustatten gekommen. Noch als Kind lernte ich den Aristoteles kennen und selbst die Scholastiker schreckten mich nicht ab, was ich auch heute noch nicht bedaure. Sodann las ich Platon und Plotin mit Befriedigung, ganz zu schweigen von den andren Alten, die ich späterhin zu Rate zog. Als ich mich nun von der trivialen Schulphilosophie befreit hatte, verfiel ich auf die Modernen und ich erinnere mich noch, daß ich im Alter von 15 Jahren allein in einem Wäldchen nahe bei Leipzig, dem sogenannten Rosental, spazieren ging und bei mir erwog, ob ich die substantiellen Formen beibehalten sollte. Schließlich trug der Mechanismus den Sieg davon und veranlaßte mich, mich der Mathematik zu widmen, in deren Tiefen ich allerdings erst durch meinen Verkehr mit Herrn Huygens in Paris eindrang. Als ich aber den letzten Gründen des Mechanismus und der Gesetze der Bewegung selbst nachforschte, war ich ganz überrascht, zu sehen, daß es unmöglich war, sie in der Mathematik zu finden und daß ich zu diesem Zwecke zur Metaphysik zurückkehren mußte. Das führte mich zu den Entelechien, d. h. vom Materiellen zum Formellen zurück und brachte mich schließlich, nachdem ich meine Begriffe verschiedentlich verbessert und weitergeführt hatte, zu der Erkenntnis, daß die Monaden, oder die einfachen Substanzen, die einzigen wahrhaften Substanzen sind, während die materiellen Dinge nichts als Erscheinungen sind, die allerdings wohl begründet und unter einander verknüpft sind. Hiervon haben Platon, ja selbst die späteren Akademiker und Skeptiker, etwas geahnt, wenngleich die Nachfolger Platons diese Erkenntnis nicht so gut zu nutzen verstanden, wie er selbst.“[80]

Der Begriff der Kraft

Schema der Kräfte:

vis

vis activa

vis passiva

vis primitiva activa

vis derivativa activa

vis primitiva passiva

vis derivativa passiva

„Die Substanz selbst denke ich, wenn sie mit ursprünglichen aktiven und passiven Kräften begabt ist, als eine unteilbare und vollkommene Monade, die unserem Ich vergleichbar ist“. / „Substantiam ipsam potentia activa et passiva primitivs praeditam, veluti Ego vel simile, pro indivisibili seu perfecta monade habeo“[81].

Die Monade

Schema der Geschöpfe:

creaturae

substantiales

accidentales

 

substantiae

substantiata = aggregata substantiarum

simplices = monades ut anima

compositae ut animalia

Leibniz präzisiert Lockes Auffassung der Erkenntnis: „Nihil est in intellectu, quod non fuerit in sensu, excipe: nisi ipse intellectus.“ „Nichts ist im Geist, das nicht vorher in der sinnlichen Erfahrung gewesen wäre – ausgenommen der Geist selber.“[82]

Das principium identitatis indiscernibilium: „Es muss sogar jede einzelne Monade von jeder anderen verschieden sein. Denn es gibt niemals in der Natur zwei Wesen, die einander vollkommen glichen und bei denen sich nicht ein innerer oder ein auf eine innere Bestimmtheit gegründeter Unterschied entdecken ließe.“[83]

„Die Monaden haben keine Fenster / Les monades n’ont point de fenêtres, durch die etwas in sie herein- oder aus ihnen hinaustreten kann.“[84]

„Die Tätigkeit des inneren Prinzips, das die Veränderung oder den Übergang von einer Perzeption zu einer anderen bewirkt / le passage d’une perception à une autre, kann als Streben (Appetition) bezeichnet werden. Allerdings kann das Streben nicht immer vollständig zu der ganzen angestrebten Perzeption gelangen; aber etwas davon erreicht es stets und gelangt so zu neuen Perzeptionen.“[85]

Stufen der Perzeption

(als eines der beiden Prinzipien jeder Monade):

kleine Perzeptionen:

niedere Tiere bzw. Menschen im Zustand bloßer Monaden

Apperzeption:

höhere Tiere, Menschen („Seelen“)

Intellekt:

mit Reflexion verbundene Perzeption beim Menschen

Vernunft – Grund – Wahrheit

„Die Erkenntnis der notwendigen und ewigen Wahrheiten {…} unterscheidet uns von den bloßen Tieren und setzt uns in den Besitz der Vernunft und der Wissenschaften / la Raison et les Sciences, indem sie uns zur Selbst- und Gotteserkenntnis erhebt. Dies nun ist es, was man bei uns vernünftige Seele oder Geist nennt / Ame Raisonnable, ou Esprit.“[86]

Schema der Wahrheiten:

veritates originariae (identicae)

veritates derivativae

ursprünglich notwendige Wahrheiten:

1. identisch bejahend

2. identisch verneinend

ursprüngliche Tatsachenwahrheiten: unmittelbare innere Erfahrungen

(ego cogito)

notwendige oder Vernunftwahrheiten:

Axiome der Mathematik

Tatsachenwahrheiten:

1. für Gott erkennbar

2. für uns erkennbar:

a) Weg der Erfahrung

b) Weg der Vernunft (Prinzip des Grundes)

Der Satz vom Grund: „Ratio est in Natura, cur aliquid potius existat quam nihil. Id consequens est magni illius principii, quod nihil fiat sine ratione, quemadmodum etiam cur hoc potius existat quam aliud rationem esse oportet.“ „Grund ist in der Natur, warum etwas eher existiert als nichts. Das ist die Folge jenes großen Grundsatzes, dass nichts ohne Grund entsteht, wie auch ein Grund sein muss, warum dies eher existiert als ein anderes.“[87]

„Cum DEUS calculat et cogitationem exercet, fit mundus.“ „Wenn Gott rechnet und sein Denken im Gange hält, entsteht eine Welt.“[88]

Die beste aller möglichen Welten – und Voltaires Kritik

„Die Seelen wirken {handeln} nach den Gesetzen der Zweckursachen, durch Begehrungen, Zwecke und Mittel. Die Körper wirken gemäß den Gesetzen der Wirkursachen bzw. der Bewegungen. Und diese beiden Reiche, das der bewirkenden Ursachen und das der Zweckursachen, harmonieren.“ / Les ames agissent selon les loix des causes finales par appetitions, fins et moïens. Les corps agissent selon le loix des causes efficientes ou des mouvemens. Et les deux regnes, celui des causes efficientes et celui des causes finales son harmoniques entre eux.[89]

„Harmonie ist Einheit in Verschiedenheit.“ / Harmonia est unitas in varietate.[90]

Unter der Voraussetzung vollkommener Rationalität ist die Welt die beste aller möglichen Welten: „So verliert sich der bekannte Teil des Universums, verglichen mit dem unbekannten, den wir dennoch annehmen müssen, beinah in Nichts, und alle Übel, die man uns entgegenhalten kann, haben nur Geltung, bezogen auf dieses Beinah-Nichts: muss man da nicht sagen, dass alle Übel, verglichen mit den Gütern dieser Welt, auch nur ein Beinah-Nichts sind / un presque-neant?“[91]

Voltaire zitiert den Kirchenvater Laktanz, Vom Zorn Gottes / De ira Dei, wo dem Epikur folgende Worte zugeschrieben werden: „Entweder will Gott das Unglück aus dieser Welt entfernen und kann es nicht, oder er kann es und will es nicht. Oder er kann es nicht und will es nicht, oder er kann es und will es. Will er es und kann es nicht, so wäre das Ohnmacht, die der göttlichen Natur zuwider wäre. Kann er es und will es nicht, so wäre das Bosheit, die seiner Natur nicht weniger zuwider wäre. Will er es nicht und kann es nicht, so wäre das beides, Ohnmacht und Bosheit. Will er es und kann er es (was als einzige dieser Weisen Gott angemessen ist), woher kommt dann das Unglück auf Erden?“[92]

Voltaire gegen die universale Sicht von Leibniz zugunsten des einzelnen Individuums: „Wären wir empfindungslos / insensibles, so wäre gegen diese Physik nichts einzuwenden. Aber darum geht es ja gar nicht; wir wollen ja wissen, ob es nicht empfindliche Übel gibt, und woher sie kommen. — Ein seltsames allgemeines Wohl ist das, bestehend aus Blasensteinen, Gicht, allen Verbrechen, allen Leiden, Tod und Verdammnis.“[93]

 



[1] Bacon, Organon 1, 12/13 (Praefatio / Vorrede).

[2] Nachwort, S. 68.

[3] Hinzukommen die Träger der verschiedenen Funktionen wie Lichtkäufer, Ausbeuter der Experimente, Jäger (sie experimentieren in den mechanischen Künsten), Schatzgräber, Ordner, Wohltäter, Leuchter, Pfropfer und Naturerklärer.

[4] Ebd. I, 8.

[5] Hobbes, Leviathan 65 (9. Kapitel; Darstellung etwas abgeändert).

[6] Hobbes, De corpore I 1 (lateinische und deutsche Ausgabe nach Nummern zitiert).

[7] Hobbes, De corpore I, 6.

[8] Hobbes, Leviathan 12 / 14 (2. Kapitel; zitiert wird zuerst mit den Seitenzahlen der deutschen, dann der englischen Einzelausgabe).

[9] De homine X, 1.

[10] Hobbes, Opera I, II, 4.

[11] Ebd. 43 f / 42 (6. Kapitel).

[12] Hobbes, Leviathan 52 / 50 (8. Kapitel).

[13] Leviathan 67 (10. Kapitel).

[14] Hobbes, Leviathan 5 / 9 f (Einleitung).

[15] Leviathan 99 / 91 (14. Kapitel).

[16] Ebd.

[17] Ebd. 100.

[18] Discours VI 2.

[19] Regulae I, Präambel.

[20] Regulae II, Präambel.

[21] Aristoteles, Nikomachische Ethik Α 1, 1094b11 ff.

[22] Œuvres VII 351 / Einwände und Erwiderungen 323.

[23] Meditationes II 3.

[24] Descartes, Meditationen mit Einwänden 145 / Œuvres VII 161.

[25] Meditationes II 8.

[26] Principia I 45 = Œuvres VIII 22 (ÜV).

[27] Meditationen mit Einwänden 146 / Œuvres VII, 161.

[28] Meditationes III 13.

[29] Principia I 51.

[30] Ebd. 22.

[31] III 38.

[32] V 10.

[33] V 11.

[34] Schellings Werke. Fünfter Hauptband. München 1965, 85 (Münchner Vorlesungen von 1827).

[35] IV 9.

[36] Principia II 1.

[37] Pascal, Gedanken 432 (821/661). Zitiert werden die Seiten der Reclamausgabe; in Klammern wird die erste Nummer (französische Ausgabe von Lafuma), die dort den Aphorismen vorangestellt ist, sowie die Nummer der Ausgabe von Sellier beigefügt.

[38] Ebd.

[39] Ebd. 405 (756/626).

[40] Réflexions 46/47.

[41] Ebd. 40.

[42] Ebd. 48.

[43] Ebd. 54/55.

[44] Ebd. 56/57.

[45] Ebd. 76.

[46] Ebd. 84.

[47] Ebd. 86.

[48] Ebd.

[49] Ebd.

[50] Pascal, Gedanken 185 / Pensées 224 (ÜV).

[51] Ebd. 233 (423/680).

[52] Gedanken 79 f (110/142) (ÜV).

[53] Ebd. 245 f (429/682).

[54] Spinoza, Opera I, 192.

[55] Ebd. 471.

[56] Ebd. 476 ff.

[57] Ebd. 499.

[58] Ebd. 604 f.

[59] Max Scheler: Philosophische Weltanschauung. Bern 1954, 54.

[60] Ethik I, Definition VI (zitiert wird nach Teil, Definition, Axiom, Lehrsatz, Beweis und Anmerkung in der Übersetzung der Reclamausgabe).

[61] Ebd., Definition 3.

[62] Ethik I, Definition 4.

[63] Ethik I, Definition 5.

[64] Ethik I, Definition 1.

[65] Ethik I, Definition 2.

[66] Ebd., Beweis zur Lehrsatz 31.

[67] Ebd., Lehrsatz 29 mit Beweis.

[68] Ebd.

[69] Allgemeine Definition der Affekte (gegen Ende des III. Teils).

[70] Ebd.

[71] Ethik IV, Anmerkung zu Lehrsatz 1.

[72] Ethik V, Lehrsatz 15.

[73] Ebd., Anmerkung zu Lehrsatz 42 (ÜV).

[74] Locke, Essay Einleitung Nr. 2 (die Einleitung wird mit Absatznummern zitiert, alles andere nach Buch, Kapitel und Abschnitt; zugrunde gelegt sind die Einzelausgaben).

[75] Ebd. 3.

[76] Essay I.I.15.

[77] Essay I.III.2.

[78] II.I.5.

[79] IV.I.2.

[80] Philosophische Werke 2, 623 f.

[81] Philosophische Werke 2, 505 / Philosophische Schriften 2, 251.

[82] Philosophische Schriften 5, 100 (ÜV).

[83] Monadologie 9 (zitiert nach Nummern).

[84] Ebd. § 7. Der Satz von der Fensterlosigkeit der Monaden entspricht der These, dass die Seele in gewisser Weise alles ist; vgl. Aristoteles, De anima Γ 8, 431b21, und die lateinische Version omnia quodammodo est anima bei Thomas von Aquin: In Aristotelis librum de anima commentarium, n. 787.

[85] Monadologie 15.

[86] Monadologie 29.

[87] Philosophische Schriften 7, 289 (ÜV).

[88] Philosophische Schriften 7, 191 (Abhandlung mit dem Titel Dialogus; ÜV).

[89] Ebd. § 79.

[90] Textes inédits 1, 12.

[91] Philosophische Schriften 6, 114 / Philosophische Werke 4, 105 (Theodizee § 19).

[92] Voltaire: 20 Articles du Dictionnaire Philosophique Portatif / Aus dem philosophischen Taschenwörterbuch. München 1985, 13.

[93] Ebd. 20/21.